Wie alles begann


Als Kind kümmerte ich mich auf einem Hof um ein Pferd, auf dem die Tiere schwere Kutschen ziehen mussten und nicht ausreichend gefüttert wurden. Quinto hatte Sehnenprobleme. Ich machte ihm Sehnenwickel und gab mein Taschengeld für Pferdefutter aus, um den Tieren dort zumindest ein bisschen zu helfen. Oft ging ich auch mit dem Pferd spazieren und bei einem Spaziergang – er hatte Angst vor Plastiktüten und LKW’s – flog ihm eine Tüte entgegen. Er scheute und wäre einen Hang hinuntergerutscht, hätte ich mich nicht dagegen gestemmt und dem Pferd das nötige bisschen Halt gegeben, das es brauchte, um wieder auf die Straße zu kommen. Dieses Ereignis verband uns zwei. Ich hatte damals keine Ahnung von Natural Horsemanship oder Beziehungsarbeit, aber wenn ich mich hinsetzte, legte sich der Wallach neben mich. Kam ich auf den Hof und er wurde geritten, bockte er den Reiter ab und kam zu mir, bis irgendwann nur mehr ich ihn reiten durfte. Bei unseren Spaziergängen folgte er mir fortan ohne Halfter und Strick.
Schließlich wollte der Besitzer des Hofes die Pferde überhaupt nicht mehr versorgen. Ich zeigte ihn aufgrund von Tierquälerei an und alarmierte verschiedene Fernsehsender in der Hoffnung, den Tieren zu helfen. Der Amtstierarzt bescheinigte jedoch, dass alles in Ordnung sei und an der Haltung der Tiere änderte sich nichts. Der Hofbesitzer wusste wer ihn angezeigt hatte. Er verbot mir auf den Hof zu kommen und „mein“ Pferd zu sehen. Als ich ihn später doch wiedersah, stand er auf seinem Paddock, doch er würdigte mich keines Blickes. Ich habe ihn gerufen, doch er nahm keinerlei Notiz von mir. Irgendwann schaute er mir ziemlich lange in die Augen und ich wusste, dass er sich von mir im Stich gelassen fühlte.

Seine Freundschaft, seine Liebe, seinen Respekt und sein Vertrauen bekam ich von ihm geschenkt, ohne dass ich es mir erarbeiten musste. Horsemanship, Bodenarbeit und weitere beziehungsfördernde Methoden waren mir zum damaligen Zeitpunkt noch fremd. Es war mir noch nicht bewusst welch großes Geschenk er mir damit gemacht hat.
Diese Beziehung ist es, die ich mit meinen Pferden erstrebe, doch nun musste ich sie mir erarbeiten. Meine Arbeit basiert auf der Kommunikation, in der auch das Pferd sprechen soll. Denn „Wer immer spricht, der kann die Antwort nicht hören“ wie Philippe Karl sagt. Auf der weiteren Suche nach so einer Beziehung, erarbeitete ich mir Kenntnisse über Natural Horsemanship, Bodenarbeit, Pferdesprache und Zirzensik und bin momentan in der Ausbildung bei Bea Borelle in der Schule der Légèreté. Diese Schule bietet die Möglichkeit, mittels klarer unmissverständlicher Hilfengebung mit dem Pferd zu kommunizieren.
Es wünscht sich einen gerechten und fairen Umgang und keine Bestrafung dafür, dass es etwas nicht zu leisten vermag. Diese respektvolle Behandlung steht am Anfang jeder Beziehung zwischen Mensch und Pferd.